… ist eine Autodidaktin im
wahrsten Sinne des Wortes. Erst ab dem Jahr 2002
begann sie zu malen und hat sich in dieser kurzen Zeit ein Wissen
um die Technik der Malerei angeeignet, wie es nur wenige aus
eigener Kraft vermögen. Zu Beginn ihrer Laufbahn als
Künstlerin stand die naturgetreue Wiedergabe des Gesehenen.
Über die Aneignung verschiedenster Techniken, die sie van
Gogh, Cezanne und anderen Malern der klassischen Moderne
abgeschaut hatte, eignete sie sich ein Können an, das sie
heute befähigt, vollkommen photorealistisch zu malen. Dabei
spielt es kaum eine Rolle, welchem Sujet sie sich zuwandte,
der Landschaft, dem Stillleben oder dem Porträt. Schon bald
konnte sie auf jedem Gebiet in nur kurzer Zeit Erfolge
erzielen. Jedes Detail, jede Nuance des Bildinhaltes wurde
von ihr adäquat wiedergegeben. Ob es ein Ausschnitt eines
Blätterwaldes war oder eine zugefrorene Regenpfütze, immer
entstanden vollkommene Abbilder der Wirklichkeit.
Mit der
Zeit löste sie sich jedoch von den Vorbildern immer weiter
ab. Sie begann sich von dem real Gesehenen zu ihren Themen
zu lösen. Ihr eigener Malduktus, der zur genauen
Realitätswiedergabe unterdrückt werden musste, drang in ihre
Bildwelt ein. Nun entstanden eigenständige Interpretationen
ihrer Umwelt. Ihre Bilder erlangten mehr Autonomie, lösten
sich von ihren Vorbildern und erlangten so ein bis dahin
nicht erreichtes Eigenleben. Zunächst waren es nur die
Formen und Ausschnitte, die einen zunehmend individuellen
Charakter erhielten, dann kam ein immer freier werdendes
Spiel mit den Farben hinzu.
Heute arbeitet Christine Goldberg-Witthüser vollkommen frei vor der Leinwand. Ihre bevorzugten Themen leitet sie zwar immer noch aus der sie umgebenden Natur ab, aber mit einer ganz eigenen, sehr persönlichen Note. So hat sie es in wenigen Jahren geschafft, sich von der reinen Oberfläche der Dinge zu den sie ausmachenden Kern der Erscheinungen vorzuarbeiten. Ihre ganz eigenen Farb- und Formkompositionen sind das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses, der bestimmt noch nicht abgeschlossen ist, aber schon viel erwarten lässt.
Dabei hat sie auch das Spektrum ihrer künstlerischen Ausdrucksmittel erweitert: war es zu Anfang immer die Leinwand, die es zu bezwingen galt, so arbeitet sie heute mit Stein, Metall, einfach allen Materialien, die ihr für ihre Projekte als geeignet erscheinen. Christine Goldberg-Witthüser hat sich in nur wenigen Jahren autodidaktisch ein künstlerisches Handwerk angeeignet, wie es für eine klassische Ausbildung geradezu typisch ist. Sie hat sich, wie viele Künstler vor ihr, von ihren Vorbildern gelöst und einen ganz eigenen persönlichen Weg eingeschlagen, der es ihr ermöglicht, als freischaffende Künstlerin autonom tätig zu sein.
Dabei lehnt sie es auch heute nicht ab, sondern sieht es immer wieder als Herausforderung an, Aufträge von Kunden anzunehmen und nach deren Vorstellungen umzusetzen. So malt sie auf Wunsch Porträts von Menschen und Tieren, Automobilen oder einfach nur Blumen.
Frank Scheidemann (Kunsthistoriker M.A.)